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Vergrößerung der Schilddrüse und Knoten

Vergrößerung der Schilddrüse und Knoten

Eine Vergrößerung der Schilddrüse, der sogenannte Kropf, (Struma diffusa) und/oder Knoten in der Schilddrüse (Struma nodosa) sind in dem über Jahrzehnten vom Jodmangel betroffenen Gebiet Deutschland häufig zu finden.

In einer breit angelegten Querschnittsuntersuchung der Bevölkerung in Deutschland fanden sich bei 32% der Bevölkerung eine Struma und/oder das Vorliegen eines Knotens in der Schilddrüse (1). Es wird davon ausgegangen, dass etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland hiervon betroffen sind (1).

Verschiedene Erkrankungen können zu einer Struma diffusa bzw. Struma nodosa führen.

Beschwerdesymptomatik

Wenn die vergrößerte Schilddrüse auf anatomische Strukturen im Halsbereich, wie Speiseröhre, Luftröhre oder Gefäße drückt, kann eine Symptomatik mit Schluckbeschwerden, Atemnot, Engegefühl im Halsbereich, entstehen. Diese Beschwerden sind häufig der Grund für die Veranlassung weiterer Untersuchungen durch den Hausarzt.

Ursachen

Unter dem Einfluss eines langjährigen Jodmangels sind oft deutliche Strumen zu finden. In Deutschland ist die Kropfhäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen nach der vermehrten Verwendung von Jodsalz deutlich gesunken (2). Die Jodversorgung in Deutschland hat sich innerhalb der letzten Jahre zwar deutlich verbessert, es bleibt regional und in Abhängigkeit von der jeweiligen Lebensphase jedoch immer noch die Gefahr einer zu geringen Jodversorgung und damit der Struma-Entwicklung (3).

Daher ist insbesondere in den Lebensphasen Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Pubertät auf eine ausreichende Jodversorgung zu achten. Andere Ursachen für die Entwicklung einer Struma sind Medikamente (z.B. Amiodaron), Erkrankungen der Schilddrüse (z.B. Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis).

Diagnose

Körperliche Untersuchung und Ultraschall

In einer sog. Jodmangelstruma bilden sich häufig Knoten. Diese können jedoch auch in einer normal großen Schilddrüse auftreten. In Abhängigkeit von der Größe und Beschaffenheit des Knotens lässt sich dieser bereits bei der klinischen Untersuchung durch den Hausarzt tasten und somit entdecken. Kleine Knoten werden oft als Zufallsbefund im Ultraschall gefunden. Es gibt auch eingeblutete, zystische Knoten, die sich innerhalb von wenigen Tagen entwickeln können und dann dem Patienten häufig zum ersten Mal auffallen und selten auch Schmerzen verursachen können. Erfreulicherweise ist die überwiegende Mehrzahl der Schilddrüsenknoten gutartig.

Szintigraphie

Wenn ein oder mehrere Knoten in der Schilddrüse entdeckt wurden, ist die Abklärung durch einen schilddrüsenerfahrenen Arzt sinnvoll. Ihr Hausarzt wird diesbezüglich mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen. Ab einer Knotengröße von 1,0 cm ist in der Regel die Durchführung einer Szintigraphie der Schilddrüse indiziert, um den Knoten besser charakterisieren zu können. Hierbei kann beurteilt werden, ob der oder die Knoten im Vergleich zum normalen Schilddrüsengewebe vermehrt oder vermindert Schilddrüsenhormone produzieren. Im Falle einer vermehrten Hormon-Produktion spricht man von einem heißen Knoten, im umgekehrten Fall von einem kalten Knoten. Es gibt jedoch auch Knoten mit einem dazwischen befindlichen, indifferenten Speicherverhalten. Zur Beurteilung der Szintigraphie muss jedoch immer auch der Ultraschallbefund herangezogen werden. Außerdem müssen die aktuellen Schilddrüsen-Hormonwerte vorliegen. Nur so ist eine exakte Beurteilung der Knoten möglich.

Suppressions- Szintigraphie

In bestimmten Fällen ist eine zusätzliche Szintigraphie nach Einnahme von Schilddrüsenhormonen erforderlich, die sog. Suppressions-Szintigraphie. Hierdurch werden autonome (heiße) Knoten nachgewiesen, die selbständig Schilddrüsenhormone unabhängig vom Regelkreislauf produzieren. Dies bedeutet, dass das Gehirn der Schilddrüse zwar den Befehl gibt, die Schilddrüsenhormon-Produktion einzustellen, der Knoten aber trotzdem die Hormonproduktion fortsetzt (daher ‚autonomer Knoten’). In Abhängigkeit von der Ausprägung dieser Produktion kann dann eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen.

Unsere Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass bei 51% der Patienten mit Knotenstruma durch die Szintigraphie der Schilddrüse eine Autonomie nachgewiesen werden kann, obwohl der TSH-Wert und die Schilddrüsenhormonwerte noch im Normbereich sind (4).

Therapie

Autonome Adenome der Schilddrüse sind gutartige Knoten. Sie zeigen jedoch keine spontane Rückbildungstendenz und müssen daher oft behandelt werden. Hierbei werden der Ausprägungsgrad der Überfunktion, Begleiterkrankungen und das Befinden des Patienten besonders berücksichtigt. Wir erarbeiten einen Therapievorschlag, den Sie zusammen mit ihrem Hausarzt besprechen sollten. Bei einer behandlungsbedürftigen Autonomie der Schilddrüse kommen neben einer meist nur vorrübergehenden, medikamentösen Behandlung die Radiojodtherapie und die Operation der Schilddrüse in Betracht.

Kalte Knoten sind überwiegend gutartige Veränderungen in der Schilddrüse, besitzen jedoch ein Restrisiko von 3-5% für Bösartigkeit. In Zusammenschau mit dem sonographischen Befund werden kalte Knoten daher oft weiter diagnostisch abgeklärt, um mit hoher Sicherheit sagen zu können, dass sie gutartig sind. In erster Linie kommt hier die Feinnadelpunktion des oder der Knoten zur Anwendung. Weiterhin kann eine spezielle Szintigraphie der Schilddrüse, die sog. MIBI-Szintigraphie, helfen, den Knoten zu charakterisieren. Nach Prüfung aller Befunde muss in jedem Einzelfall entschieden werden, welches Vorgehen sinnvoll ist. Soweit vom Patienten gewünscht und aus medizinischer Sicht möglich, werden wir ein Therapiekonzept vorschlagen, bei dem ein abwartendes Verhalten in der Regel mit Ultraschallkontrollen des Knotens im Vordergrund steht. In einigen Situationen muss jedoch eine Operation der Schilddrüse angeraten werden. In diesem Fall beraten wir Sie ausführlich über Möglichkeiten und eventuelle Nebenwirkungen.

Meistens liegen jedoch nicht autonome, gutartige Knoten in der Schilddrüse vor. Hier kann bei fehlenden Kontraindikationen eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen und Jod erfolgen.

Wir erstellen bei jedem Patienten einen ausführlichen Arztbrief, der die Ergebnisse der Untersuchungen sowie einen Therapievorschlag beinhaltet und umgehend an Ihren überweisenden Arzt geschickt wird.

Literatur

  1. Reiners C et al. Thyroid 2004 14(11) 926
  2. Thamm M et al. 2007 Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung 50:744
  3. Robert-Koch-Institut Gesundheitssurvey für Erwachsene (DEGS) 2015
  4. Görges R et al. Nuklearmedizin 2011;50:179
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