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Hyperthyreose / Schilddrüsenüberfunktion

Hyperthyreose / Schilddrüsenüberfunktion

Beschwerdesymptomatik

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) stellt eine im Vergleich zum Körperbedarf vermehrte Produktion der Schilddrüsenhormone T3 und T4 dar. Die vermehrte Hormonproduktion bewirkt eine Aktivierung verschiedenster Stoffwechsel- und Organvorgänge mit der Folge, dass häufig Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen, Gewichtsabnahme, Durchfall, Zittern der Hände, Hitzegefühl, Nervosität, Stimmungsschwankungen auftreten. Auch der Fett- und Glukosestoffwechsel werden beeinträchtigt, so dass z.B. bei Diabetikern eine schwierige Einstellung des Blutzuckerspiegels mit erhöhten Blutzuckerwerten resultieren kann. Das ‚Gaspedal‘ des Körpers ist buchstäblich auf Vollgas gestellt. In besonderen Lebensphasen, wie z.B. Schwangerschaft, Kinder-/Jugendzeit, bei älteren Patienten, sind atypische Krankheitsverläufe zu beobachten und altersentsprechende Besonderheiten zu berücksichtigen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich langsam entwickeln oder in einer sog. verborgenen Form (latente Hyperthyreose) auftreten. In diesem Zustand werden die Schilddrüsenhormone im Blut im Normbereich gemessen. Allerdings kann anhand des Hormones der Hirnanhangsdrüse (TSH-Wert) bereits der Beginn einer Überfunktion diagnostiziert werden.

Diagnose

Eine Schilddrüsenüberfunktion lässt sich gut mittels einer einfachen Blutentnahme diagnostizieren. In der Regel wird zusätzlich ein Ultraschall und oft eine Szintigraphie der Schilddrüse durchgeführt. Weitere Spezialuntersuchungen wie Suppressions-Szintigraphie, Antikörperbestimmung, Radiojodtest u.a. können erforderlich werden.

Ursachen und Therapiemöglichkeiten

Autonomie der Schilddrüse

Verschiedene Ursachen können zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Häufig sind sog. autonome Adenome, die in knotigen Veränderungen der Schilddrüse entstehen können. Diese bewirken eine Hyperaktivität eines oder mehrerer Knoten in der Schilddrüse mit der Folge einer zu hohen Sekretion von Schilddrüsenhormonen. Die in der Regel gutartigen Knoten werden mittels Szintigraphie (evtl. auch Suppressionsszintigraphie im Rahmen einer Spezialuntersuchung) diagnostiziert. In Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung und den Begleiterkrankungen des Patienten wird entweder ein abwartendes Verhalten oder eine Ausschaltung der autonomen Knoten mittels Radiojodtherapie oder Operation empfohlen.

Morbus Basedow

Eine weitere häufige Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion stellt die immunogene Hyperthyreose, auch Morbus Basedow (Graves‘ disease) genannt, dar. Hierbei entdeckt der Körper die Schilddrüse als Fremdkörper und produziert gegen das körpereigene Gewebe Antikörper im Sinne einer Autoimmunerkrankung. Diese Antikörper (TRAK) setzen sich auf die ‚An-Aus-Schalter‘ der Schilddrüsenzellen und regen sie so zur Produktion von Schilddrüsenhormonen an.

Begleitend hierzu kann auch eine Erkrankung der Augen, die sog. endokrine Orbitopathie (EO) sowie in seltenen Fällen auch ein Befall der Weichteile (tibiales Myxödem) auftreten. In diesen Fällen ist eine interdisziplinäre Betreuung notwendig, z.B. mit Einbeziehung eines Augenarztes.

Die Beschwerdesymptomatik tritt beim Morbus Basedow häufig spontan und in deutlicher Ausprägung auf. Die EO, die eine Autoimmunreaktion des Fettgewebes und der Augenmuskeln darstellt, kann zeitlich unabhängig von der Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Die Patienten fallen dem Arzt häufig im Rahmen einer Blickdiagnose durch ihren „bösen Blick“ auf. Die Merseburger Trias beschreibt das gleichzeitige Vorhandensein von schnellem Herzschlag, vergrößerter Schilddrüse und Augensymptomatik.

Die Erkrankung zeigt einen zyklischen Verlauf mit Phasen deutlicher Überfunktion, die unterbrochen werden von Phasen mit normaler Funktion. Erfreulicherweise kommt die Erkrankung bei etwa der Hälfte der Patienten nach 1 bis 1 ½ Jahren spontan zum Stillstand (Spontanremission).

In der Behandlung kommen Medikamente, sog. Thyreostatika, zum Einsatz, die die Produktion von Schilddrüsenhormonen verhindern. Hierdurch soll eine Normalisierung der Stoffwechsellage (Euthyreose) erreicht werden. Die Dosierung dieser Medikamente erfolgt in der niedrig möglichsten Menge, um das Risiko für Nebenwirkungen gering zu halten. Daher erfolgt diese Therapie in enger Absprache mit Ihrem Arzt.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten stellen die Radiojodtherapie und die Operation dar. Bei Auftreten einer Augenbeteiligung (endokrine Orbitopathie) werden in Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen spezielle Behandlungsansätze verfolgt, die zunächst die Einstellung der Schilddrüsenhormone im Normbereich zum Ziel haben. Hierdurch kann bei einem großen Teil der Patienten bereits eine Besserung der Augensymptomatik erzielt werden. Sollte dies nicht ausreichen, muss ggf. die Durchführung einer medikamentösen Behandlung der Augen (z.B. Cortison-Stoßtherapie) diskutiert werden.

Andere Ursachen

Neben der Autonomie und dem Morbus Basedow gibt es eine Vielzahl von weiteren Ursachen für das Auftreten einer Schilddrüsenüberfunktion. Hier seien die Hashimoto-Thyreoiditis (s. Schilddrüsenunterfunktion), die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Amiodaron) sowie seltenere Erkrankungen, wie z.B. die Entzündungen der Schilddrüse (De Quervain – Thyreoiditis) oder bösartige Erkrankungen (differenziertes Schilddrüsenkarzinom) zu nennen. Auch während einer Schwangerschaft können die Laborwerte eine Überfunktion anzeigen.

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